| |
SCHINDLER + RICHTER - Kleine Klassiker
(Arch.Musik 001):
„
Der Stephan ist halt ein Jazzer“, erklärt
der Architekt, Lyriker, Klarinettist und Saxophonist
Udo Schindler fast etwas entschuldigend und meint damit
seinen Partner, der an der Hochschule für Musik
Würzburg Jazzgeschichte lehrt. Richter spielt
hier, wie auch schon in Michael Heilraths Hausmusikformation
Alles Wie Groß, Gitarre(n). In regelmäßigen
informellen Tête-a-têtes südlich von
München, wo beide leben, breiteten sie ihre geistigen
Schwingen aus, um über Schneefelder und Luftschlösser
zu schweben, um wie Tom und Huckleberry im Heu zusammen
zu träumen und in glücklicher Farbigkeit
Lüftlmalerei zu pinseln, während der Klang
der Stadt hinter dem Horizont nur zu ahnen ist. Münchner
kennen die beiden vielleicht schon im Trio Wortschall,
das Barocklyriklesungen der als BR-Sprecherin bekannten
Beate Himmelstoß musikalisch einbettet. Ihre
acht ‚kleinen Klassiker‘, die als Erstes
mit einer Widmung an Derek Bailey den bayerischen Klangraum
aufsprengen, vermeiden die Klischees der abstrakten
Improvisation, gerade weil sie keine Vermeidungshaltung
einnehmen. Wie in einem Bild von Escher kippen Treppauf
und Treppab, so dass man beim Aufstieg in den Postjazz
Echos von Pee Wee Russell und Billy Bauer herum geistern
hört und beim Abstieg in die Zeit vor Giuffre
auf Theo Jörgensmann und John Russell stößt.
Ohne ideologische Sperrigkeit verbreitet diese Stegreifkammermusik
ihre Reize, zu denen neben der gekonnt unorthodoxen
Tonsprache, der abgeklärten Selbstverständlichkeit
von Mehrklängen, Mikrotönen, Zirkularatmung
oder Flageolettgriffen, die völlige Hingabe der
beiden an ihre Schmetterlingsjagden gehört. Mit
dem träumerischen Titelstück pflückten
sie ein besonders schönes Prachtexemplar aus der
Luft. [ba 61 rbd]
Bad Alchemy
Rigobert Dittmann
Franz-Ludwig-Str.11
97072 Würzburg ••• SCHINDLER
+ RICHTER – "Kleine
Klassiker" (Little Classics) / (Arch.Musik 001):
Of his partner, Stephan Richter, who teaches jazz
history at the Wuerzburg Aca-demy of Music, Udo Schindler,
himself an architect, lyricist, clarinetist and saxo-phonist,
says - almost by way of an apology - "He's just
a jazz freak". Here, Richter plays guitar(s)
just as be did in Michael Heilrath's hausmusik ensemble "Alles
wie groß". Regular, informal tête-a-têtes
at their homes south of Munich give them an opportunity
to spread their spiritual wings to glide over snow-covered
fields and lofty castles, dreaming in the hay like
Tom and Huck and painting the sky in the brightest
of hues, whilst the sounds of the city are only just
discernible on the distant horizon. Munich's music
lovers may already know the two of them from their
performances as part of the trio "Wortschall" who
provide the musical foundations for the baroque lyric
poetry readings of Beate Himmelstoß, the announcer
and narrator at the Bayerischer Rundfunk. Their eight "little
classics" start by blowing open the Bavarian
sound arena with a dedication to Derek Bailey and
avoid the
clichés of abstract improvisation simply by
consciously avoiding any attempt at avoidance. Like
an Escher painting, stairs lead up and down at the
same time, giving us echos of Pee Wee Russell and
Billy Bauer as we make our way up to post-jazz and
leading
us to Theo Jörgens-mann and John Russell as
we make our way down to the pre-Giuffre era. This
spontaneous
chamber music conceals nothing remotely related to
staid ideology. Besides giving us a skillfully unorthodox
sound language and a totally laissez-faire approach
to harmonies, microtones, circular breathing or harmonics,
the music radiates all manner of stimuli best epitomised
by the complete dedication of the two musicians to
their hunt for butterflies. And the dreamy title
piece is probably one the most beautiful specimens
they have
caputured. [ba 61 rbd]
Translation: stephen mcmahon
SCHINDLER+RICHTER
kleine klassiker
Eine kleine Haus(bau)musik. Im Umkehrschwung von
Frank Lloyd Wrights Aussage, Architektur sei gefrorenen
Musik,
betreibt der Architekt Udo Schindler mit dem Amerikanisten
und Jazzkritiker Stephan Richter kleinen, feinen
Freejazz zum Selbstzweck. Ohne ökonomische Zwänge
trifft man sich zweiwöchentlich zum Musizieren
resp. Improvisieren. Gelegentliche Konzerte, zumeist
in Galerien, und dieses CD-Debüt reichen punktuell über
den privaten Charakter hinaus. Danach geht’s
wieder hinein in die eigenen vier Wände.
Ein unspektakuläres, symphatisches Duo. (felix)
freiStil-MAGAZIN
FÜR MUSIK Nr.14, Juli 2007
••• SCHINDLER+RICHTER - kleine klassiker
Purpose-built hausmusik. Inverting the notion that "architecture
is frozen music", the architect Udo Schindler
and the American studies professional and jazz critic
Stephan Richter create and perform their own special
minibrand of free jazz just for the fun of it. Making
money is the last thing on their minds during their
once-fortnightly music and improvisation sessions.
Occasional concerts – usually in galleries – and
this, their debut CD, sometimes overstep the private
nature of their musician-ship. Then it's back to
the comfort of their own home.
An unspectacular, pleasant duo. (felix)
freiStil -
MAGAZIN FÜR MUSIK No.14, July 2007
translations by stephen mcmahon
Interaktives
Klangabenteuer kleiner Klassiker
Mal mit geballter Energie, mal in entrückter
Ferne:
Ein Musiker mit zwei sehr unterschiedlichen CDs
Gelingt es, bestimmte Begriffe zu abstrahieren, so
zeigen Musik und Architektur erstaunliche Übereinstimmungen.
Beide werden etwa aus Strukturen, Mustern, Linien,
Flächen, Motiven, Themen, harmonischen oder
dissonanten Proportionen, Räumen oder Farbklängen
aufgebaut. Udo Schindler, der Architekt und Musiker
zugleich ist, abstrahiert bereits seit Jahrzehnten.
Wie er im Architekturentwurf auf örtliche Gegebenheiten
reagiert, so ist er auch beim schöpferischen
Musizieren - also bei Improvisieren – in der
Lage, spontan auf Situationen oder Mitspieler reagieren.
So ist es eine logische Konsequenz, dass seine CDs
sehr unterschiedlich ausfallen.
Mit der B-Klarinette, dem Sopran- und Tenorsaxophon
begegnete er 2006 dem
E-Gitarristen Stephan Richter mit teils geballter
Energie. Richter, Lehrbeauftragter für Jazzgeschichte
an der Musikhochschule Würzburg, provozierte
ihn dabei mit seinem ordnenden Unterbau zu Ausbrüchen,
zu emotionalen Kontrapunkten, die das Konstruktive
in Bewegung versetzt, ohne die Geschlossenheit der
Form zu zerstören. Entstanden ist eine überaus
suggestive Musik, die das Duo auf der CD „Kleine
Klassiker“ zu Titeln animierte, wie „Flügel
im Raum“, „Im Heu zusammen“ oder „Der
Klang der Stadt“. Die Musiker versuchen so,
die bildhafte Assoziation in Worte zu fassen.
… Eine Musik, die wenig mit passiv konsumierbarer Unterhaltung
zu tun hat, doch ein fesselndes Klangabenteuer bietet.
Reinhard Palmer
Süddeutsche Zeitung STA / Nr.53
- 05.03.2009
••• Interactive sound adventure of little classics
At times full of energy, at other times completely
distant:
A musician with two very different CDs
If you succeed in rendering certain definitions completely
abstract, then music and architecture have a surprising
number of common denominators. Both are made up of
structures, patterns, lines, planes, motifs, themes,
harmonic and dissonant pro-portions, spaces or shades.
Udo Schindler – both an architect and a musician
- has been a master of abstraction for many years.
Just as he reacts to the prevailing conditions when
designing a structure, so too is he capable of reacting
spontan-eous-ly to situ-ations or fellow-performers
when playing inventive music, that is to say, when
he is improvising. Therefore, it is only logical
that no two of his CDs are the same.
In 2006 and armed with the B-flat clarinet, the soprano
and the tenor saxophone, he encountered Stephan Richter,
often with undiluted energy. Following an order-ed
substructure, Richter, a jazz history tutor at the
Wuerzburg Academy of Music, provoked him to outbursts,
to emotional counterpoints which set the constructive
aspects in motion without destroying the form's coherence.
The result, a CD entitled "Kleine Klassiker",
is acutely suggestive music which animated the duo
to create titles like "Flügel im Raum", "Im
Heu zusammen" or "Der Klang der Stadt"*.
It is in this way that the musicians try to give
verbal expression to the pictorial association.
… This is music which has little to do with passively
consum-able enter-tainment; instead, it offers a
gripping sound adventure.
Reinhard Palmer
Translation: Stephen McMahon
Süddeutsche Zeitung STA / No.53 - 5 March 2009
__________________________________________________________________________________________
Klangbauten
Kleine Klassiker der Improvisierten Musik
von Manfred Kaiser
Improvisierte Musik führt in ländlichen
Gebieten ein Schattendasein. In größe-ren
Städten wie München, Nürnberg oder
Würzburg hat sie ein Zuhause, dort wo Musikhochschulen
oder Konservato-rien Menschen binden, deren Interesse
für Musik der Gegenwart grundsätzlich geweckt
ist.
Schade, denn Improvisierte Musik wäre gerade
für den ländlichen Raum eine Bereicherung.
Sie ist keineswegs eine, wie der Name unterstellt,
die ihre Kom-position dem Zufall überässt,
sondern eine, die aus der gezielten Vorbereitung
heraus im originären Augenblick musi-kalische
Bauwerke setzt beziehungs-weise inszeniert. Einbezogen
werden vermeintlich passive Elemente wie der Raum,
in dem gespielt wird, oder auch das Publikum, das
als integrierter Klangkörper aktiviert wird.
Udo Schindler arbeitet so – von Wörth-see
aus. Er ist hauptberuflich Architekt, veröffentlichte
Lyrik, arbeitete am Thea-ter. Als Musiker nahm er
bereits an ver-schiedenen Festivals und Konzerten
Neuer Musik im In- und Ausland teil. Er spielte unter
anderem mit Eddie Pre-vost, Sebi Tramontana, Gerry
Heming-way oder Jürg Solothurnmann. Musika-lisch
tätig ist er in verschiedenen Forma-tionen.
Ihm ist wichtig, dass Duos und Ensembles keine kurzzeitigen
Projekte sind, sondern längerfristig zusammen
arbeiten, einander inspirieren, gemein-sam Traditionen
entwickeln. In größerer Besetzung spielt
Udo Schindler mit dem Improvisationsorchester „munich
instant II“, zu zweit mit Margarita Holz-bauer,
Harald Lillmeyer, dem Duo 48Nord sowie mit Stephan
Richter, mit dem Schindler zuletzt den Tonträger „Kleine
Klassiker“ herausgab.
Udo Schindler und Stephan Richter, Jazzkritiker und
Lehrbeauftragter für Jazzgeschichte an der Hochschule
für Musik in Würzburg, finden sich seit
etwa zwei Jahren zu ökonomisch uninteres-sierten
Begegnungen zusammen, um zu musizieren. Über
ein halbes Jahr hinweg kommt es zu zweiwöchigen
Treffen, in der eine Reihe von Aufnahmen entste-hen – ohne
Studio, ohne das Geküns-telte einer Aufnahmesituation,
komplett improvisiert und aus dem Moment her-aus
geboren. Der aktuelle Tonträger enthält
acht Segmente aus einer Reihe kleiner Klassiker,
samt und sonders Ergebnisse eines außergewöhnlichen
Zusammenspiels.
Dieser Musik ist der Einzug in klassische Aufführungsräume
des Münchner Um-landes zu wünschen. Was
wäre das für ein Klang – in historischen
Kirchen, Klös-tern oder Schlössern! Was
wäre das für ein Aufbruch in die Gegenwart!
KULTURLAND
Schindler
+ Richter
» Kleine Klassiker«
Arch.Musik
Geometrische Audio-Abstraktionen mit ungebändigter,
psychagogischer Formkraft. Der Tonträger setzt
sich aus acht fragmentarischen Topografien zusammen:
unbeirrt kommunizierende Gegenüberstellungen,
deutsche Klangarchitekturen mit einer rohen Anmut.
Auf dieser Building-Site wird der Perfektion einer
ebenen Grundfläche ein improvisatorisches terrain
vague mit gefurchter Krumme entgegengehalten. Die
Beschränkung auf rein akustisches Baumaterial
(Bb-Klarinette, Soprano- und Tenorsax und Gitarren)
ist der in Szene gesetzten Klangfusionsenergie diametral
entgegengesetzt. Hier wird nicht an einem Niedrig-
oder Null-Energie-Doppelhaus herumgepfuscht, sondern
mit versierter techne an poetisch-betitelten Zimmern
im als Luftschloss camouflagierten Zwei-Mann-Zeltturm
getüftelt. Diese nicht barrierefreien Setzungen
eignen sich ausgezeichnet für gedankliche dérives
vor oder nach einem afternoon delight. Oder, um mit
einem Zitat von Richard Serra unerotisch zu enden: »this
alignment contracts the intervals of the space – not
as drawing or linear configuration but as volume
as space contained«.
MICHAEL-FRANZ WOELS – skug79
•••
Schindler + Richter
"
Kleine Klassiker"
Arch.Musik
Geometric audio abstractions with unbridled, psychagogical
shaping power. The CD comprises eight fragmentary
topographies; unwaveringly communicating comparisons,
German sound architectures with unwrought grace.
On this building site, the perfection of a level
plot of land is juxtaposed against an improvisational
terrain vague of furrowed earth. The limitation to
purely acoustic construction materials (B-flat clarinet,
soprano and tenor saxophone, guitars) is diametrically
opposed to the staged sound fusion energy. This is
not some slap-dash attempt at knocking together a
low- or zero-energy house; it is more an experiment
whose objective is to use skilled techne to create
poetically named rooms in a two-man tented tower
which has been artistically camouflaged as a castle
in the air. These non-barrier-free subsidences are
ideally suited for intellectual dérives before
or after an afternoon delight. Or to conclude unerotically
with a quote from Richard Serra, "this alignment
contracts the intervals of the space – not
as drawing or linear configuration but as volume
as space contained".
Translated by Stephen McMahon
MICHAEL-FRANZ WOELS
Info Schindler + Richter – Kleine
Klassiker
So sollte Musik nicht mehr entstehen. Man kennt heute – zumindest
aus der Welt des Jazz und der improvisierten Musik – nahezu
ausschließlich so genannte „Projekte“,
bei denen Musiker sich um eine verschieden substantielle
Idee scharen und ihre jeweilige Technik einbringen.
Das bringt gelegentlich gute Resultate. Es gibt aber
auch eine andere Tradition: Musiker, die über
Jahre und Jahrzehnte zusammen arbeiten, an einander
wachsen, sich befruchten. Nur selten – Duke
Ellingtons Orchester, das Modern Jazz Quartet, das
Art Ensemble of Chicago - überleben solche Verbindungen
die Marktsituation. Udo Schindler und Stephan Richter
finden sich seit etwa zwei Jahren in einer ökonomisch
völlig uninteressierten Situation zusammen,
um zu spielen um des Musizierens willen. Über
den Zeitraum eines halben Jahres hinweg entstehen
bei solchen zweiwöchentlichen Sessions eine
Reihe von Aufnahmen – ohne Studio, ohne das
Gekünstelte einer Aufnahmesituation. Aufnahmen
ohne jede Absprache der Musiker untereinander, komplett
improvisiert und aus dem Moment geboren. Diese CD
lässt acht Segmente aus dieser Kette kleiner
Klassiker hören. So sollte Musik entstehen.
Zu den Musikern:
Udo Schindler lebt und arbeitet als Architekt südlich
von München. Er veröffentlichte Lyrik und
arbeitete am Theater. Als Musiker war er bei verschiedenen
Festivals und Konzerten Neuer Musik auch international
tätig, trat in Italien, Tschechien, Rumänien,
Belgien, Österreich und Frankreich auf und spielte
unter anderem mit Eddie Prevost, Sebi Tramontana,
Gerry Hemingway, Jürg Solothurnmann, u.a.
Dr. Stephan Richter ist promovierter Amerikanist,
lebt südlich von München. Jazzkritiker,
Lehrbeauftragter für Jazzgeschichte an der Hochschule
für Musik Würzburg, Autor von Lyrik und
Theaterstücken. Als Klarinettist spielte er
unter anderem mit dem afroamerikanischen Lyriker
Kalamu Ya Salaam, der Performancegruppe ACWOB und
der Independent-Rockband „Alles wie groß“,
kehrte 2001 zu seinem Ursprungsinstrument Gitarre
zurück.Info Schindler + Richter – Kleine
Klassiker
•••
This is no longer the way to make music. In the
world of jazz and improvised music, we hear about
almost
nothing else apart from so-called "projects" in
which musicians crowd around a disparately substantive
idea and contribute their own special technique.
The results are sometimes good. However, there is
another tradition, namely that of musicians who work
together for years and years, who grow together and
who nurture and encourage each other. It is rare
that such liaisons survive the realities of the marketplace – Duke
Ellington's Orchestra, the Modern Jazz Quartet and
the Art Ensemble of Chicago are examples of the survivors.
For roughly two years now, Udo Schindler and Stephan
Richter have been getting together to play, just
for the sake of making music and not for the sake
of making an economic success out of their venture.
Over the space of six months, their fortnightly sessions
have produced a series of recordings – without
a studio and all the fuss that goes with regular
recording sessions. Recordings without any prior
discussion between the musicians, totally improvised
and born out of the moment. This CD gives us eight
links from this chain of "little classics".
This is the way to make music.
About the musicians:
Udo Schindler lives and works as an architect just
south of Munich. He has pub-lished lyrical poetry
and has worked in the theatre. He has worked nationally
and internationally as a musician at various festivals
and concerts of contemporary music, performing in
Italy, the Czech Republic, Romania, Belgium, Austria
and France playing with Eddie Prevost, Sebi Tramontana,
Gerry Hemingway, Jürg Solothurnmann and other
musicians.
Stephan Richter has a Doctorate in American Studies
and lives just south of Munich. A jazz critic and
teacher of jazz history at the Wuerzburg Academy
of Music, he has also written lyrical poetry and
plays. As a clarinetist, he also played with the
African-American lyricist Kalamu Ya Salaam, the performance
group ACWOB and the inde-pendent rock band "Alles
wie groß". He returned to playing his
original instru-ment, the guitar, in 2001.
Translations: Stephen McMahon
__________________________________________________________________________________________
kontakt:
arch-musik, udo schindler, bräuhausstr.4a, 82152
planegg,
t. (0049)-089/89544997, 0173/9856159,
mailto:schindler@arch-musik.de
www.arch-musik.de
rot – schindler/holzbauer/lillmeyerUDO
SCHINDLER, Freispieler an Sopranosaxophon & Bassklarinette
im oberbayrischen Wörthsee, lässt sich zusammen
mit der Münchner Cellistin MARGARITA HOLZBAUER
und dem nach München zugereisten Gitarristen HARALD
LILLMEYER, beides Grenz- und Draufgänger an den
Abgründen und Untiefen neuester und namenloser
Musik, nicht aufhalten, wenn die Ampel Rot (cs151)
zeigt. Lillmeyer ist dabei durch seine Gastspiele beim
Ensemble Recherche und als Interpret von Scelsi oder
Riehm sowie mit dem E-Gitarren-Quintett Go Guitars
der bekannteste der Drei, die sich im Munich Instant
Orchestra kennenlernten. Seine Partner stehen ihm aber,
was extended techniques angeht, nicht nach, und so
schrammt diese Folge von 15 Improvisationen an den
Leitplanken der Tonalität entlang mit bruitistischem
und mikrotonalem Gusto, der die Unterscheidbarkeit
von akustischen und elektronischen Klängen, die
Lillmeyer generiert, und sogar die der Instrumentalstimmen
selbst verwischt. Was da Finger krabbeln oder der Mund
pluckert, was die Lippen hauchen, der Cellobogen schabt
oder das Plektrum kratzt, das wird nur bei genauem
Lauschen deutlich. Doch im Handumdrehen und mit dem
nächsten Atemzug schäumen Kontraste auf,
nur um wieder in den Klangstrom einzutauchen, den die
Drei als passionierte Geisterfahrer nur gegen die Strömung
befahren. Tönt das Cello gediegen sonor, franst
es schon an den Rändern diskant aus, sind die
Klänge mal ruhig und anhaltend, faucht die Elektronik
giftig dagegen an oder ätzt ein gähnendes
Loch in das dröhnminimalistische Klangfeld, so
dass Makrospannung und Mikrospannungen wechselweise
summen, zischen oder Funken sprühen. In gezackte,
schorfige oder mühsam geglättete Laute bohrt
und flammt die verfremdete Gitarre stechende und beißende
oder undefinierbar knirschende, die sich als Celloknarzen
entpuppen, wenn die Gitarre unvermutet erst einsetzt.
Hier ist vieles trügerisch, aber man lauscht ja
auch jenseits von Rot quasi unbefugt und auf eigene
Gefahr. [ba 61 rbd]
www.badalchemy.com
Bad Alchemy - Rigobert Dittmann
Franz-Ludwig-Str.11
D-97072 Würzburg
SCHINDLER / HOLZBAUER / LILLMEYER
rot
Creative Sources / Extraplatte / rec: 08
Udo Schindler (ss, bcl), Margarita Holzbauer (vc),
Harald Lillmeyer (g, e)
Von wenigen, charmanten Ausflügen in die etwas lautstärkere Nachbarschaft
abgesehen, dominiert auf „rot“ stilles, konzentriertes Improvisieren.
Von zart bis zerbrechlich reicht das Spektrum der feinen, fein ausgetüftelten
Konstruktionen. Entstanden aus der Zusammenarbeit im Munich Instant Orchestra,
versammeln sich die Einflüsse dieses Trios aus den – oft unterschiedlichen – Richtungen
Kammermusik, Jazz, Experiment, Alter und zeitgenössischer E-Musik. Dieses
weitläufige Gerinnsel stellen Schindler, Holzbauer & Lillmeyer elektronischen,
präparierten, multi-phonischen und mikrotonalen Errungenschaften gegenüber.
Und siehe da: Aus diesem multiplen, vielsprachig veranlagten Bastard entstehen
wiederum neue Geschöpfe. Wachsen neue Klangflächen, auf denen die
Durchdringungen und Durchmischungen fröhliche Urständ feiern. Diese
hübsch hybride
Musik funktioniert wie ein Kartenspiel: mischen, geben, spielen. Abheben nicht
vergessen! (felix)
www.freistil.klingt.org
freistil, andreas fellinger
eferdinger str.9, a-4600 wels
schindler/holzbauer/lillmeyer – rot
Das Trio aus Wörthsee sieht sich selbst an den ‚Abgründen und
Untiefen neuester und namenloser Musik’, was schon mal für Spannung
sorgt. Mit sopransaxophon, Bassklarinette, Violoncello, E-Gitarre und Elektronik
erzeugen sie dabei eine ungewöhnliche Mischung aus freiem Jazz, und experimentell-zeitgenössischer
Musik, die man vielleicht am ehesten als improvisierte Kammermusik bezeichnen
könnte
in münchen, Nr.4 / Do 5.2. - Mi 18.2.2009,
HEIMSPIEL – Platten aus
München
rot – schindler/holzbauer/lillmeyer
UDO SCHINDLER, Freispieler
an Sopranosaxophon & Bassklarinette im oberbayrischen Wörthsee, lässt
sich zusammen mit der Münchner Cellistin MARGARITA HOLZBAUER und dem nach
München zugereisten Gitarristen HARALD LILLMEYER, beides Grenz- und Draufgänger
an den Abgründen und Untiefen neuester und namenloser Musik, nicht aufhalten,
wenn die Ampel Rot (cs151) zeigt. Lillmeyer ist dabei durch seine Gastspiele
beim Ensemble Recherche und als Interpret von Scelsi oder Riehm sowie mit dem
E-Gitarren-Quintett Go Guitars der bekannteste der Drei, die sich im Munich
Instant Orchestra kennenlernten. Seine Partner stehen ihm aber, was extended
techniques angeht, nicht nach, und so schrammt diese Folge von 15 Improvisationen
an den Leitplanken der Tonalität entlang mit bruitistischem und mikrotonalem
Gusto, der die Unterscheidbarkeit von akustischen und elektronischen Klängen,
die Lillmeyer generiert, und sogar die der Instrumentalstimmen selbst verwischt.
Was da Finger krabbeln oder der Mund pluckert, was die Lippen hauchen, der
Cellobogen schabt oder das Plektrum kratzt, das wird nur bei genauem Lauschen
deutlich. Doch im Handumdrehen und mit dem nächsten Atemzug schäumen
Kontraste auf, nur um wieder in den Klangstrom einzutauchen, den die Drei als
passionierte Geisterfahrer nur gegen die Strömung befahren. Tönt
das Cello gediegen sonor, franst es schon an den Rändern diskant aus,
sind die Klänge mal ruhig und anhaltend, faucht die Elektronik giftig
dagegen an oder ätzt ein gähnendes Loch in das dröhnminimalistische
Klangfeld, so dass Makrospannung und Mikrospannungen wechselweise summen, zischen
oder Funken sprühen. In gezackte, schorfige oder mühsam geglättete
Laute bohrt und flammt die verfremdete Gitarre stechende und beißende
oder undefinierbar knirschende, die sich als Celloknarzen entpuppen, wenn die
Gitarre unvermutet erst einsetzt. Hier ist vieles trügerisch, aber man
lauscht ja auch jenseits von Rot quasi unbefugt und auf eigene Gefahr. [ba
61 rbd]
•••
UDO SCHINDLER, free player of the soprano saxophone and bass clarinet in Wörthsee
(Upper Bavaria) - joined here by Munich cellist MARGARITA HOLZBAUER and the
Munich incomer, guitarist HARALD LILLMEYER, both ofthem crossover daredevils
firm in the depths of newest and still nameless music
- doesn't let himself be stopped by anyone when his city lights have turned red:
ROT
(cs151). The three met through playing in the Munich Instant Orchestra.
Lillmeyer is the best-known among them having interpreted Scelsi or Riehm,guested
with Ensemble Recherche and played with the electric-guitar-quintet GoGuitars.
As far as extended techniques are concerned his partners are in no way behind
him, which makes this suite of 15 improvisations scratch the guardrails
of tonality with a bruitist and microtonal gusto which mellows the distinctions
between
acoustic and electric sounds generated by Lillmeyer, and even blurs those of
the
instrumental voices. Whatever the fingers might tickle or the mouth
may bubble, what lips may breathe, what the cello may bow or the plectrum scratch,
can only be found out during concentrated listening. Yet right at the next moment,
at the next breath, contrasts bubble up only to get right back into
the river of sound, which the three impassioned wrong-way drivers always take
against
the current. Once a cello sounds solidly full-bodied it begins to fray
at its fringes, once the music sounds sustained and soft the electronics scream
its poison in or corrode a yawning hole inside the boom minimalist soundscape,
having
macro and micro voltages alternately hum along, sizzle or fly sparks.
Into
jagged, scabby or laboriously smoothed-down sounds the estranged guitar enflames
stinging or indefinably rustling sounds, which turn out to be the sigh
of the cello, soon as the guitar surprisingly begins. Much is deceptive east
of
the ROT and you're listening unauthorized so to say and at your own risk.
[ba 61 rbd]
translation: stephen mc mahon
www.badalchemy.com
Bad Alchemy - Rigobert Dittmann
Franz-Ludwig-Str.11
D-97072 Würzburg
SCHINDLER / HOLZBAUER / LILLMEYER
rot
Creative Sources / Extraplatte / rec: 08
Udo Schindler (ss, bcl), Margarita Holzbauer (vc),
Harald Lillmeyer (g, e)
Von wenigen, charmanten Ausflügen in die etwas lautstärkere Nachbarschaft
abgesehen, dominiert auf „rot“ stilles, konzentriertes Improvisieren.
Von zart bis zerbrechlich reicht das Spektrum der feinen, fein ausgetüftelten
Konstruktionen. Entstanden aus der Zusammenarbeit im Munich Instant Orchestra,
versammeln sich die Einflüsse dieses Trios aus den – oft unterschiedlichen – Richtungen
Kammermusik, Jazz, Experiment, Alter und zeitgenössischer E-Musik. Dieses
weitläufige Gerinnsel stellen Schindler, Holzbauer & Lillmeyer elektronischen,
präparierten, multi-phonischen und mikrotonalen Errungenschaften gegenüber.
Und siehe da: Aus diesem multiplen, vielsprachig veranlagten Bastard entstehen
wiederum neue Geschöpfe. Wachsen neue Klangflächen, auf denen die
Durchdringungen und Durchmischungen fröhliche Urständ feiern. Diese
hübsch hybride Musik funktioniert wie ein Kartenspiel: mischen, geben,
spielen. Abheben nicht vergessen! (felix)
•••
Apart from occasional but nontheless
charming excursions to more noisy pastures, the dominating trait of "rot" is
calm, concentrated improvisation. The range of delicate and delicately worked
structures covers a spectrum from gentle to fragile. Having worked together
as members of the Munich Instant Orchestra, the influences of this trio converge
here from the - often very different - genres of chamber music, jazz,
experimentation, ancient and comtemporary art music. Schindler, Holzbauer & Lillmeyer
contrast this generic conglomerate with electronic, prepared, multiphonic
and microtonal accomplishments. And, as if by magic, this multiple, polylingually
inclined mongrel brings forth new creations. New areas of sound are formed,
and on these the pervasions and blends resurface once more. This cutely
hybrid music functions like a game of cards: shuffle, deal, play. But
don't forget
to cut.
translation: stephen mc mahon
freistil#23
www.freistil.klingt.org
freistil, andreas fellinger
eferdinger str.9, a-4600 wels
schindler/holzbauer/lillmeyer – rot
Das Trio aus Wörthsee sieht sich selbst an den ‚Abgründen und
Untiefen neuester und namenloser Musik’, was schon mal für Spannung
sorgt. Mit sopransaxophon, Bassklarinette, Violoncello, E-Gitarre und Elektronik
erzeugen sie dabei eine ungewöhnliche Mischung aus freiem Jazz, und experimentell-zeitgenössischer
Musik, die man vielleicht am ehesten als improvisierte Kammermusik bezeichnen
könnte.
•••
The trio from Wörthsee perceive themselves as being 'close
to the depths and abysses of the newest music for which a name has yet to be
found', and already we're on the edge of our seats. The combination of soprano
saxophone, bassclarinet, violoncello, electric guitar and electronics creates
an unusual mix of free jazz and experimentally contemporary music which is
probably best described as improvised chamber music.
translation: stephen mc mahon
in münchen, Nr.4 / Do 5.2. - Mi 18.2.2009, HEIMSPIEL – Platten
aus München SCHINDLER/HOLZBAUER/LILLMEYER
„rot“
Bewertung: 4 von max.5 Punkten
Unspektakulär und doch unüberhörbar entwickelt sich die Musik
dieses Trios. Man wird aufmerksam, ohne penetrant mit Klanginformationen dafür
geweckt zu werden. Sich manifestieren, artikulieren und verschwinden: Eine
Musik, die andockt, aber nicht Besitz ergreift. Schindler, Holzbauer und Lillmeyer
haben sich aus ihrer Zusammenarbeit im Munich Instant Orchester kennengelernt.
Im Trio erforschen sie die faszinierenden Unendlichkeiten zwischen Kammer-musik
und Geräusch. Die 14 Tracks sind zwischen zwei und fünf Minuten lang
und haben keine Titel. Doch erscheint einem das Album wie aus einem Guss. Man
kann die Tracks durchhören wie eine suite, die sich aus kleinsten Partikeln,
wundersamen Sounds und überraschenden Verquickungen fort-laufend zusammensetzt.
Die drei Musiker nehmen sich alle Zeit. Sie werden nicht von der Absicht erdrückt,
etwas bieten zu müssen. Konzentriert und spielerisch bewegen sie sich
in ihrem elektro-akustischen Kosmos. Die Musik ereignet sich wie ein unmerklicher
Schneefall, was nicht die potenzielle Romantik meint, sondern die Leichtigkeit
der Struktur. Klänge verhalten sich wie Flocken, die sich in unentwegt
wechselnden Korrelationen bewegen und verändern, bis in die stabile
Anordnung von Materie (Siedlung, Natur) absorbiert werden.
Pb./Pirmin Bossart
JAZZ’N’MORE 2/2009 März/April (www.jazznmore.ch)SCHINDLER/HOLZBAUER/LILLMEYER
•••
" rot"
Rating: 4 out of max. 5 points
The way in which the music of this trio develops is unspectacular and nonetheless
unmistakeable. You notice it without having your attention drawn to it
by sound information. It makes its presence felt, articulates itself and
then
disappears;
music that takes hold without taking over. Schindler, Holzbauer and Lillmeyer
first met when they performed together as members of the Munich Instant
Orchestra. As a trio, they delve into the fascinating infinities between
chamber music
and noise. Each of the 14 tracks is between two and five minutes in length;
none have titles. To the listener, however, the album still seems to be
completely rounded. You can listen to the tracks like a suite which forms
and re-forms
itself from the tiniest of particles, wondrous sounds and surprising fusions.
The three musicians take their time. They are not overwhelmed by an intention
which forces them to offer something. They move in a concentrated and playful
way in their electro-acoustic cosmos. The music falls gently like snow,
by no means in the romantic sense, but rather with regard to the lightness
of
its structure. Sounds behave like snowflakes that move and change in continuously
varying correlations until they are absorbed into the stable order of matter
(buildings, nature).
Pb./Pirmin Bossart - Translation: Stephen McMahon
JAZZ'N'MORE 2/2009 March/April (www.jazznmore.ch)
Interaktives Klangabenteuer kleiner Klassiker
Mal mit geballter Energie, mal in entrückter Ferne: Ein Musiker mit zwei
sehr unterschiedlichen CDs
...Udo Schindler auf der CD „Kleiner Klassiker“...Anders ist es
auf der CD „rot“ deren 15 Passagen einfach durchnumeriert sind.
Es ist eine Auswahl von Experimenten, aufeinander zu reagieren. Mit der Cellistin
Margarita Holzbauer ist eine klangliche Ausrichtung eingeschlagen, die größere
Einfühlsamkeit verlangt und sich der Neuen Musik stärker verpflichtet
als dem Freejazz. Harald Lillmeyer, Dozent für Gitarre und Neue Musik
an der Musikhochschule München, versteht es wie Holzbauer, seinem Instrument überraschende
Klänge zu entlocken, die mit sparsamer und gezielt eingesetzter Elektronik
von Hörgewohnheiten entrückt. War Schindler auf der vorherigen CD
die dominierende Kraft, zieht er sich hier im Trio mit Sopransaxophon und Bassklarinette
in räumliche Fernen zurück. Unkonventionelle Spieltechniken kontrastiert
mit Minimalismen kommentieren aus schwer greifbaren Sphären das Geschehen.
Umso überraschender dann seine kraftvollen Einwürfe, die sich mit
plastischer Präsenz geradezu aufdrängen. Eine Musik, die wenig mit
passiv konsumierbarer Unterhaltung zu tun hat, doch ein fesselndes Klangabenteuer
bietet.
Reinhard Palmer – Süddeutsche Zeitung STA Nr.53, 05.03.2009Interactive
sound adventure of little classics
At times full of energy, at other times completely distant: A musician with
two very different CDs
•••
…
Udo Schindler on the CD ‘Kleine Klassiker’… This
is quite different from the CD "rot" where each of the 15
passages simply has a number. It is a collection of experiments about
reacting to each
other. Together with the cellist Margarita Holzbauer, they have taken
a tonal change
of direction which requires more empathy and which pledges itself more
to new music than to free jazz. As in the case of Holzbauer, Harald
Lillmeyer, tutor
for guitar and new music at the Munich Academy of Music, understands
how
to extract surprising sounds from his instrument, the few and targeted
electronic elements painting a very different picture for the listener.
Whereas Schindler
was the dominating force on the previous CD, he now withdraws into
the distance with his soprano saxophone and bass clarinet. From barely
palpable
spheres,
unconventional playing techniques and contrasting minimalisms punctuate
the action with comments. His powerful interjections which impose themselves
on
us with their graphic presence come as an even greater surprise. This
is
music which has little to do with passively consumable entertainment;
instead, it
offers a gripping sound adventure.
Reinhard Palmer - Translation: Stephen
McMahon
Süddeutsche Zeitung STA No.53 – 5 March 2009
schindler/holzbauer/lillmeyer
» rot«
Arch.Musik/creative sources recordings
Kammermusikalische Raumgerüste stellen Zusammenhänge her, wo vorher
keine waren, machen Dinge und Beziehungen hörbar, die ohne diese Drei-Personen-Umrahmung
nicht wahrnehmbar wären. Rückwärts gelesen offenbart der Albumtitel »rot« die
wahre Bedeutung dieser kraftschlüssigen Verbindungen. Sie stellen ein
Tor dar zu einem Rotationsprofil: Aufgespannt und gekonnt nachjustiert mittels
Sopransaxofon, Bassklarinette, Violoncello, E-Gitarre und Electronics und ihren
wechselseitigen Durchdringungen. Auf höchst artifiziellem Gelände
wird durch bauliche Überformungen ein Ineinanderfließen perpetuiert,
das jegliches regelgebundenes Verfahren auszuschließen scheint. Eine
Unterscheidung von Figur und Grund ist nicht mehr möglich, trotzdem verlieren
die fünfzehn polyvalenten Gestalten niemals an Autonomie. Diese Vertonungen
stellen emanzipatorische Bemühungen um eine Ortsunabhängigkeit und
Bodenferne dar, nach einer guten Stunde wird das Tor zu diesem tonalen Antipoden-Atrium
bis auf weiteres wieder geschlossen.
MICHAEL-FRANZ WOELS – skug79schindler/holzbauer/lillmeyer
•••
" rot"
Arch.Musik/creative sources recordings
Chamber music spatial frameworks produce connections where there was once
nothing at all; they make things and relationships audible which would
have been imperceptible
without this three-person frame. And it is this tighly coupled (or should
we say "tripled"?) connection that gives the album "rot" true
significance. The musicians give the listener access to a rotational
profile which is fixed and skilfully realigned using the sounds of the
soprano saxophone,
bass clarinet, violoncello, eletric guitar and electronics. Across highly
artificial terrain, structural overlaying perpetuates a flow which appears
to eliminate
all observance of rules and regulations. It is impossible to distinguish
the figure from the base, but regardless of this, the fifteen polyvalent
guises
never lose their autonomy. These musical settings represent an emancipatory
effort to achieve spatial liberty and distance from the ground, and after
just over an hour the gateway to this tonal antipodean atrium is closed
once again
until we choose to reopen it.
Translated by Stephen McMahon
MICHAEL-FRANZ WOELS – skug79
Udo Schindler/Margarita Holzbauer/Harald Lillmeyer
Rot - Creative Sources CD
A trio of soprano saxophone/bass clarinet, cello and guitar/electronics, woven
into something that threatens here and there to break out into some harsh freebop
groove, but manages instead to maintain a discipline and focus that gradually
elides the differences between the instruments and generates a group sound.
The 15 tracks are mostly short, but unlike many Improv CDs where such a programme
would dissolve into a long continuous piece, these are very distinct performances,
each with a definite premise and sonic destination.
THE WIRE April 2009 – Adventures In Modern Music
Jazz & Improv, Reviewed by Brian MortonUdo Schindler/Margarita Holzbauer/Harald
Lillmeyer
Rot - Creative Sources CD
•••
Ein Trio aus Sopransaxophon/Bassklarinette, Cello und Gitarre/Elektronik,
verwoben mit etwas, das hie und da droht zu einem schroffen Freebop-Groove
zu werden.
Statt dessen hält es eine Disziplin und Konzentration, die nach und nach
die Unterschiede zwischen den Instrumenten verschwimmen läßt und
einen Gruppenklang hervorbringt. Die 15 Stücke sind meist kurz, doch anders
als auf vielen Improvisations-CDs , wo ein solches Programm zu einer langen,
kontinuierlichen Aufführung verschwimmen würde, hören wir hier
sehr unterschiedliche Stücke –
jedes mit einer klaren Vorgabe und klanglichem Ziel.
ü bersetzung: Dr. Stephan Richter
THE WIRE April 2009 – Abenteuer in
Zeitgenössischer Musik
Jazz & Improv, besprochen von Brian Morton
Rot,
if you haven't guessed by now, is saturated with the trio's
ability to unlearn traditional tactics (which must be hard, as all are award
winning, formally trained veterans) and speak in other-worldly tongues. Similar
to a Paul Klee image (i.e. The Tightrope Walker, Reconstruction t), the sophisticated
nature and sublime, often spiritual, expression in these works isn't noticeable
at a CD-skipping glance. However, an examination of the subtle internal critique
and connectivity — personally and globally from artist to artist, track
to track — reveals the prowess of this Tower of Babel. On "4:56" (track
one), Holzbauer introduces the program with idiosyncrasy (a lyrical dip almost
resembling a melody) and the most base of extended techniques, the sul ponticello
t. Immediately, she objects by twisting her line with scratchy bowing, microtonality
then hyperactivity. Schindler and Lillmeyer respond with the visual equivalent
of controlling another's shadow, pulling the cellist's (ahem) strings via sly
contortion and rumbling echo. The piece burgeons as Schindler moves to the
foreground with fey, sustained baritone notes that cadence in harmonics; Lillmeyer
opens his electronic tool kit and gently chafes his axe with bit-reduced filters.
As clamorous as this appears on paper, the trio opts to garner attention, not
through screaming, but by demanding the listener lean in (and rewind) to perceive
the murmur. In other words, rot is more likely to push you into a lucid trance
than cause ear fatigue.
By the same token, the fourth member of the group, silence, plays an indispensable
role in the success of these pieces. Even at their relative loudest on the
bent-pitch drones of "2:14" (track four), the wah-wah infested, bow-bouncing "1:49" (track
seven) and the clanking, banging feedback of the closer, "4:14" (track
fifteen), the group employs the grandest of pauses, permitting 1) an enigmatic,
breath-holding allure 2) distinction of formal and gestural shifts 3) the musicians
to gather their thoughts on the moment and authorize movement towards the most
exciting outcome (which, somehow, always pans out during this hour-long journey
into sound).
Throughout the disc, the trio inhabits this similar spectrum, holding to a
manifesto of sorts, yet never running out of ideas; the obvious understanding
they have with their instruments allows for never ending jump-off points — even
with modest creaks, twitches and simple finger placement. Coalescing screeches,
skittles, broken strums, multi-phonic conversations, plucks, manipulations
and whispered apparitions, the group gracefully chisels out a logical, organic
and musical experience, a hand book for anyone who dares delve into this turf.
•••
Rot, so es noch nicht erraten wurde, ist gesättigt mit
der Fähigkeit des Trios traditionelle Taktiken zu verlernen (was mit einer
gewissen Schwierigkeit verbunden sein muss, da alle ausgezeichnete und formal
ausgebildete Musiker sind) und mit Zungen einer anderen Welt zu sprechen. Ähnlich
einem Bild von Paul Klee (z.B. Der Seiltänzer, Rekonstruktionen) bemerkt
man die raffinierte Bauweise und den sublimen, oft vergeistigten Ausdruck in
diesen Arbeiten kaum bei einem Überfliegen der CD. Eine geneuere Untersuchung
der subtilen inneren Kritik und Verbindungen der CD – persönlich
und global, von Künstler zu Künstler, von Titel zu Titel – enthüllt
die Pracht dieses Turms von Babel. Auf „4:56“ (erstes Stück),
beginnt Holzbauer das Programm mit Eigenwilligkeit (einem lyrischen Fetzen,
der fast an eine Melodie gemahnt) und der grundlegendsten aller „extended
techniques“, dem sul ponticello. Aber sofort erhebt sie Gegenrede und
verzerrt ihre Melodie mit kratzendem Bogen, Mikrotonalität, dann Hyperaktivität.
Schindler und Lillmeyer antworten mit dem Gegenbild – des Nächsten
Schatten zu bewachen – und bewegen die Saiten des Cellos durch verschlagene
Verzerrung und rumpelndes Echo. Das Stück entfaltet sich, als Schindler
in den Vordergrund rückt mit zarten lang anhaltenden Baritonnoten, die
durch die Obertöne kadenzieren; Lillmeyer öffnet seine elektronischen
Werkzeugkiste und beginnt behutsam seine Axt zu schleifen mit bitreduzierten
Filtern. So lärmend sich dies auf dem Papier anhören mag: das Trio
entscheidet sich dafür, Aufmerksamkeit nicht durch Schreie zu erwecken,
sondern durch ihre Forderung an den Hörer sich einzulassen und aufzugehen
im Flüstern. Mit anderen Worten: rot wird Sie eher in eine luzide Trance
versetzen als Ihren Ohren Müdigkeit zu verursachen.
Aus dem gleichen Grund spielt das vierte Mitglied der Gruppe, die Stille, eine
unabdingbare Rolle für den Erfolg dieser Stücke. Selbst in ihren
lautesten Stellen – den tonhöhenverschobenen Drones von „2:14“ (Titel
4), dem Wah-Wah-verseuchten, bogensringenden „1:49“ (Titel 7) und
den klirrenden, scheppernden Rückkoppelungen des Schlussstückes „4:14“ (Titel
15) – verwendet die Gruppe die ausladendsten Pausen und gestattet sich
1) einen rätselhaften atemberaubenden Charme, 2) die Unterscheidung formaler
und gestischer Wechsel, 3) die Musiker sammeln ihre Gedanken im Moment und
gestatten Bewegung hin zum aufregendsten Ergebnis (das, auf irgendeine Weise,
immer wieder eintritt auf dieser eine Stunde währenden Reise in den Klang).
Im Verlauf der CD bewohnt das Trio dieses sich gleichende Spektrum, hält
ein Manifest ab ohne je an Ideen Mangel zu zeigen; das offensichtliche Verständnis,
das sie mit ihren Instrumenten verbindet, gestattet nie endenden Absprungpunkte – selbst
wenn bescheidenes Knacken, Zerren oder einfache Fingersätze verwendet
werden. Koalierende Ansprachen, Klangkegel, abgebrochene Anschläge, multiphonische
Konversationen, zupfen, Manipulationen und geflüsterte Erscheinungen – diese
Gruppe formt voller Grazie eine logische, organische und musikalische Erfahrung:
ein Handbuch für jeden, der sich in diesem Gebiet zu versuchen wagt.
Ü
bersetzung: Dr. Stephan Richter
Schindler/ Holzbauer/ Lillmeyer
rot (Creative Sources)
There comes a time where, when confronted
by John Cage, George Crumb or Derek Bailey's extended performance techniques,
a young musician decides "I
can do that". After several misguided compositions and hours of aimless
floundering, he or she relents: this is something one might be able to achieve
only after a sincere lifetime of dedication. Fortunately, guitarist Harald
Lillmeyer, cellist Margarita Holzbauer and wind player (soprano sax and bass
clarinet for this recording) Udo Schindler persevered in this sonic realm — one
riddled with cliché and gambit — to achieve mastery over this
advanced language.
Rot , if you haven't guessed by now, is saturated with the trio's ability
to unlearn traditional tactics (which must be hard, as all are award winning,
formally trained veterans) and speak in other-worldly tongues. Similar to
a
Paul Klee image (i.e. The Tightrope Walker, Reconstruction t), the sophisticated
nature and sublime, often spiritual, expression in these works isn't noticeable
at a CD-skipping glance. However, an examination of the subtle internal critique
and connectivity — personally and globally from artist to artist, track
to track — reveals the prowess of this Tower of Babel. On "4:56" (track
one), Holzbauer introduces the program with idiosyncrasy (a lyrical dip almost
resembling a melody) and the most base of extended techniques, the sul ponticello
t. Immediately, she objects by twisting her line with scratchy bowing, microtonality
then hyperactivity. Schindler and Lillmeyer respond with the visual equivalent
of controlling another's shadow, pulling the cellist's (ahem) strings via sly
contortion and rumbling echo. The piece burgeons as Schindler moves to the
foreground with fey, sustained baritone notes that cadence in harmonics; Lillmeyer
opens his electronic tool kit and gently chafes his axe with bit-reduced filters.
As clamorous as this appears on paper, the trio opts to garner attention, not
through screaming, but by demanding the listener lean in (and rewind) to perceive
the murmur. In other words, rot is more likely to push you into a lucid trance
than cause ear fatigue.
By the same token, the fourth member of the group, silence, plays an indispensable
role in the success of these pieces. Even at their relative loudest on the
bent-pitch drones of "2:14" (track four), the wah-wah infested, bow-bouncing "1:49" (track
seven) and the clanking, banging feedback of the closer, "4:14" (track
fifteen), the group employs the grandest of pauses, permitting 1) an enigmatic,
breath-holding allure 2) distinction of formal and gestural shifts 3) the musicians
to gather their thoughts on the moment and authorize movement towards the most
exciting outcome (which, somehow, always pans out during this hour-long journey
into sound).
Throughout the disc, the trio inhabits this similar spectrum, holding to
a manifesto of sorts, yet never running out of ideas; the obvious understanding
they have with their instruments allows for never ending jump-off points — even
with modest creaks, twitches and simple finger placement. Coalescing screeches,
skittles, broken strums, multi-phonic conversations, plucks, manipulations
and whispered apparitions, the group gracefully chisels out a logical, organic
and musical experience, a hand book for anyone who dares delve into this turf.
Dave Madden 2009-05-07
The Squid's Ear, 160 Bennett Ave, Suite 6K, New York, NY 100
Schindler/ Holzbauer/ Lillmeyer
rot (Creative Sources)
•••
Es gibt Zeiten, da beschließt ein junger Musiker
- konfrontiert mit John Cage, George Crumb oder Derek Baileys erweiterten Spieltechniken
. “Das
kann ich auch!”. Nach einigen fehlgegangenen Kompositionen, nach
Stunden ziellosen Herumzappelns, gibt er oder sie auf: dies ist etwas,
das man möglicherweise
erst nach einem Leben ernsthafter Hingabe erreichen wird. Glücklicherweise
bestehen der Gitarrist Harald Lillmeyer, die Cellistin Margarita Holzbauer
und der Bläser Udo Schindler (hier auf Sopransaxofon und Bassklarinette
zu hören) auf diesem Gebiet – einem, das von Klischees und Bauernopfern
wimmelt – und erreichen vollständige Meisterschaft in dieser
fortgeschrittenen Sprache.
Rot, so es noch nicht erraten wurde, ist gesättigt mit der Fähigkeit
des Trios traditionelle Taktiken zu verlernen (was mit einer gewissen Schwierigkeit
verbunden sein muss, da alle ausgezeichnete und formal ausgebildete Musiker
sind) und mit Zungen einer anderen Welt zu sprechen. Ähnlich einem Bild
von Paul Klee (z.B. Der Seiltänzer, Rekonstruktionen) bemerkt man die
raffinierte Bauweise und den sublimen, oft vergeistigten Ausdruck in diesen
Arbeiten kaum bei einem Überfliegen der CD. Eine geneuere Untersuchung
der subtilen inneren Kritik und Verbindungen der CD – persönlich
und global, von Künstler zu Künstler, von Titel zu Titel – enthüllt
die Pracht dieses Turms von Babel. Auf „4:56“ (erstes Stück),
beginnt Holzbauer das Programm mit Eigenwilligkeit (einem lyrischen Fetzen,
der fast an eine Melodie gemahnt) und der grundlegendsten aller „extended
techniques“, dem sul ponticello. Aber sofort erhebt sie Gegenrede und
verzerrt ihre Melodie mit kratzendem Bogen, Mikrotonalität, dann Hyperaktivität.
Schindler und Lillmeyer antworten mit dem Gegenbild – des Nächsten
Schatten zu bewachen – und bewegen die Saiten des Cellos durch verschlagene
Verzerrung und rumpelndes Echo. Das Stück entfaltet sich, als Schindler
in den Vordergrund rückt mit zarten lang anhaltenden Baritonnoten, die
durch die Obertöne kadenzieren; Lillmeyer öffnet seine elektronischen
Werkzeugkiste und beginnt behutsam seine Axt zu schleifen mit bitreduzierten
Filtern. So lärmend sich dies auf dem Papier anhören mag: das Trio
entscheidet sich dafür, Aufmerksamkeit nicht durch Schreie zu erwecken,
sondern durch ihre Forderung an den Hörer sich einzulassen und aufzugehen
im Flüstern. Mit anderen Worten: rot wird Sie eher in eine luzide Trance
versetzen als Ihren Ohren Müdigkeit zu verursachen.
Aus dem gleichen Grund spielt das vierte Mitglied der Gruppe, die Stille,
eine unabdingbare Rolle für den Erfolg dieser Stücke. Selbst in ihren
lautesten Stellen – den tonhöhenverschobenen Drones von „2:14“ (Titel
4), dem Wah-Wah-verseuchten, bogensringenden „1:49“ (Titel 7) und
den klirrenden, scheppernden Rückkoppelungen des Schlussstückes „4:14“ (Titel
15) – verwendet die Gruppe die ausladendsten Pausen und gestattet sich
1) einen rätselhaften atemberaubenden Charme, 2) die Unterscheidung formaler
und gestischer Wechsel, 3) die Musiker sammeln ihre Gedanken im Moment und
gestatten Bewegung hin zum aufregendsten Ergebnis (das, auf irgendeine Weise,
immer wieder eintritt auf dieser eine Stunde währenden Reise in den
Klang).
Im Verlauf der CD bewohnt das Trio dieses sich gleichende Spektrum, hält
ein Manifest ab ohne je an Ideen Mangel zu zeigen; das offensichtliche Verständnis,
das sie mit ihren Instrumenten verbindet, gestattet nie endenden Absprungpunkte – selbst
wenn bescheidenes Knacken, Zerren oder einfache Fingersätze verwendet
werden. Koalierende Ansprachen, Klangkegel, abgebrochene Anschläge, multiphonische
Konversationen, zupfen, Manipulationen und geflüsterte Erscheinungen – diese
Gruppe formt voller Grazie eine logische, organische und musikalische Erfahrung:
ein Handbuch für jeden, der sich in diesem Gebiet zu versuchen wagt.
Ü bersetzung: Dr. Stephan Richter
Dave Madden 2009-05-07 -The Squid's Ear, 160 Bennett Ave, Suite 6K, New
York, NY 10040
UDO SCHINDLER / MARGARITA HOLZBAUER / HARALD LILLMEYER – Rot
Classily rigorous, probing improvisations for soprano sax/bass clarinet (Schindler),
cello (Holzbauer) and electric guitar/electronics (Lillmeyer). More oriented
towards the archetypes of XX-century chamber music than your average CS release,
Rot is distinguished by the considerable methodological preparation of all
participants. Preparations, in another sense, are also utilized on the instruments
to generate a hybrid electroacoustic connectivity whose transcendence rate
is to be determined via its balanced investigational ramifications, often
hiding behind silence, thus eliciting a mood of enigmatic mystery in various
tracks. Specifically, Schindler is a dispassionate dispenser of pragmatic
countermeasures whenever the collective need arises, his firm statements
and sudden deviations freshening the air even in the (rare) cluttered sections.
Holzbauer is as supportive as remarkably delicate, extracting individual
reminders and caveats from the cello in a kind of visionary discipline. Lillmeyer’s
six-stringed inventions make him appear loyal yet slightly noncompliant,
an ideal partner for the depiction of defaced prototypes. The record definitely
does not belong to the iPod-on-the-beach category but after three spins everything
is falling in place, working impeccably. Speakers in a silent setting highly
recommended.
Massimo Ricci, TEMPORARY FAULT - Sunday, 14 June 2009
•••
UDO SCHINDLER / MARGARITA
HOLZBAUER / HARALD LILLMEYER – Rot
Klassisch strenge, suchende Improvisationen für Sopransaxofon/ Bassklarinette
(Schindler), Cello (Holzbauer), und elektrische Gitarre/Elektronik (Lillmeyer).
Die CD orientiert sich eher an den Archetypen der Kammermusik des 20. Jahrhunderts
als andere CS-Veröffentlichungen, vor allem unterscheidet sich Rot in
der beachtlichen methodischen Vorbereitung aller Beteiligten. Präparationen
in einem anderen Sinn nützen sie auf ihren Instrumenten, um eine hybride
elektroakustische Verbindung herzustellen, deren Transzendenzrate durch ihre
ausgewogenen Untersuchungsauswirkungen bestimmt wird, die sich oft hinter Stille
verstecken und so auf mehreren Tracks eine Stimmung rätselvollen Geheimnisses
hervorbringen. Genauer gesagt ist Schindler ein nüchterner Verteiler pragmatischer
Gegenströmungen, wann immer es dem Kollektiv nützt, seine selbstbewussten
Beiträge und überraschenden Gegenmeinungen erfrischen die Luft selbst
in den wenigen spannungsärmeren Teilen. Holzbauer unterstützt, ist
dabei aber bemerkenswert feinsinnig und entlockt dem Cello eigensinnige Mahnungen
und Einsprüche in einer Art visionärer Disziplin. Lillmeyers sechssaitige
Erfindungen lassen ihn loyal wirken, doch leicht abweichlerisch, der ideale
Partner um entwertete Vorbilder darzustellen. Die Platte gehört eindeutig
nicht in die iPod-am-Strand Kategorie, aber nach dreimaligem Hören fügt
sich alles zusammen und funktioniert einwandfrei. Lautsprecher und eine stille
Umgebung sind sehr empfohlen.
Übersetzung: Dr. Stephan Richter
Massimo Ricci, TEMPORARY FAULT - Sunday, 14 June 2009
Das Trio 'schindler / holzbauer / lillmeyer' entwickelte sich
aus der Zusammenarbeit im 'Munich Instant Orchestra'. Die improvisierte Kammermusik
der drei Musiker ist geprägt u.a. durch die Konfrontation der jeweiligen
musikalischen Ursprünge der Spieler (freier Jazz, alte, experimentelle
und zeitgenössische Musik), der Gegenüberstellung elektronischer
und akustischer Klänge, erweiterter Spieltechniken (Multiphonics, Mikrotonalität,
Präparierungen, elektronische Klanggestaltung) und der Nichtidentifizierbarkeit
der Klangerzeuger.
Der Improvisationsansatz reicht von kaum wahrnehmbaren, subtilen bis zu hoch-energetischen
Soundereignissen.
Udo Schindler: soprano saxophone, bassclarinet
Margarita Holzbauer: violoncello
Harald Lillmeyer: electric guitar, electronics
Im Dezember 2008 erschien bei creative sources, www.creativesourcesrec.com,
ihre erste gemeinsame CD: 'rot' [cs 151]
www.arch-musik.de
•••
"schindler / holzbauer / lillmeyer" is a trio that was formed following
the musicians' successful collaboration as members of the 'Munich Instant Orchestra'.
Defining influences for their improvised chamber music include the confrontation
of the players' respective musical roots (free jazz, ancient, experimental
and contemporary music), electronic and acoustic sounds, augmented playing
techniques (multiphonics, microtonality, preparations, electronic sound design)
and the masking and pseudo-concealment of a sound's origins.
The improvisation result ranges from barely audible, through subtle to highly
energetic sound events.
Udo Schindler: soprano saxophone, bassclarinet
Margarita Holzbauer: violoncello
Harald Lillmeyer: electric guitar, electronics
In December 2008, the 'creative sources' label, www.creativesourcesrec.com,
published their first CD: 'rot' [cs 151]
translation: stephen mc mahon
www.arch-musik.de
Margarita Holzbauer
Geboren in München. Cellistin, Gambistin, Improvisatorin. Violoncellostudium
bei Jan Polasek am Münchner Richard-Strauss-Konservatorium. Konzerttätigkeit
u.a. bei den Münchner Philharmonikern, den Münchner Bachsolisten,
dem Münchner Residenzorchester und dem Münchner Bachorchester. Studium
Viola da Gamba und Barockcello an der Staatl. Hochschule für Musik in
Trossingen bei Prof. Philippe Pierlot und am Conservatorio di Musica " E.F.Dall ´ Abaco " in
Verona bei Prof. Alberto Rasi.
Studium "Freie Improvisation" an der Hochschule für Musik in
Basel ( W. Fähndrich, C.Baumann, P.Frey). Internationale Konzerttätigkeit,
interdisziplinäre Projekte (Kammerspiele München) und Lehrtätigkeit.
MunichInstantOrchester, Duo schindler+holzbauer, akustronik…
Harald Lillmeyer
geb. 1959 in Essen, Gitarrestudium an der Folkwang Hochschule in Essen und
der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Wien. Zusätzlich "Neue
Musik" an der Hochschule für Musik in Karlsruhe und "zeitgenössische
Kammermusik" an der Folkwang Hochschule.
Er konzertiert als Solist, [Debut 1985, Wittener Tage für neue Kammermusik,
G.Scelsi: KO-THA (UA aller drei Sätze)], im Gitarrenduo "Susanne
Hilker/Harald Lillmeyer", im Ensemble "GO GUITARS", "Trio
ImPuls", ist Gitarrist des "Xsemble München" und spielte
als Gast des "ensemble recherche".
Im SWR - Symphonieorchester und im Symphonieorchester des BR spielte er unter
der Leitung von: Peter Eötvös (Stockhausen), Michael Gielen (Boulez,
Spahlinger), Martyn Brabbins (Neuwirth, Henze), Rupert Huber (Scelsi), Lorin
Maazel (Mahler), Sylvain Cambreling (Globokar, Barraqué), Peter Rundel
(Richter de Vroe), Daniel Harding (A.Berg), Hans Zender (B.A.Zimmermann)
Mariss Jansons (Mahler) u.a.
1981 war er Preisträger beim Internationalen Gitarrenwettbewerb in Mettmann,
erhielt 1988 den Folkwang-Förderpreis im Gitarrenduo, 1991 als Mitglied
des Xsemble München den Förderpreis der Stadt München und 2001
mit "GO GUITARS" das Musik- Stipendium der Stadt München.
Konzerte gab er u.a. beim Schleswig-Holstein-Musikfestival, der Biennale
München,
Akademie der Künste Berlin, Dublin Guitar Week, Lateinamerika-Tournee
(Goethe-Institut).
Rundfunkaufnahmen (BR, HR, SWR, WDR, RBB)
CDs (Gesamteinspielung der Kompositionen für Gitarre von Rolf Riehm)
Seit 1985 Dozent für Gitarre, Kammermusik und Neue Musik an der Hochschule
für Musik/München
Trio GO GUITARS + schindler/holzbauer/lillmeyer, MunichInstantOrchester,
akustronik…
Udo Schindler
Geb. 1952 in Zirndorf
Schwerpunkt: improvisierte + zeitgenössischer Musik, Avantgarde-Jazz
Instrumente: es-, b-+Baßklarinette, Sopran-+Tenorsaxophon, Flöte
(Kornett, Akkordeon, Gitarre, Schlagzeug)
In den 70er Jahren im fränkischen Raum als als Rock- +Rockjazzmusiker
(Gitarre, Drums + ab 75 Saxofon + Flöte). Flötenstudium am Konservatorium
Nürnberg + Architektur an der TU München, dann Schwerpunkt Architektentätigkeit.
In den 90ern Hinwendung zur Neuen Musik (Gründung ARCH.ENSEMBLE) + improvisierter
Musik (SCHINDLER.INTERFERENZ.3). Konzentration auf Klangforschungen am Instrument
(Sopran-+Tenorsax, Flöte) + Theaterarbeit (auch eigene Projekte - Regie,
Darsteller, Musiker+Komponist)
In den letzten Jahren Intensivierung der Solo-+Duoprojekten als Option großen
klanglichen Freiraums für Improvisation + Einbeziehung der Klarinettenfamilie.
Auftritte auf Festivals Neuer Musik (musica viva, Klangaktionen...), Jazz,
experimenteller Musik, Theater, Literatur
Konzerte in Italien, Tschechien, Belgien, Österreich, Frankreich, Rumänien,
Italien, Schweiz
Kooperationen mit E.H-Guantes, H.Bergmann, U.Helmholz, G.Hemingway, G.Janker,
K.Treuheit, E.Prevost, S.Tramontana, HH Biswurm, Z.Babel, W.Gruber, M.Tiberian,
J.Solothurnmann, M.Mitchell, 48nord, A.Vapirov, GO GUITARS, C.Radtke, O.Volquartz,
C.Irmer, G.Wissel, K.Füger u.a..
Aktuelle Projekte: schindler/holzbauer/lillmeyer, schindler+richter, WORTSCHALL,
schindler/bergmann, schindler/treuheit , schindler/pretzel/wolf, schindler+holzbauer,
schindler+radtke, akustronik, munich instant orchestra
weitere aktuelle CD: schindler+richter – kleine klassiker, arch.musik001
seit 1980 selbständiger Architekt/SCHINDLER ARCHITEKTEN
(www.schindler-architekten.de)udo
schindler, bergstrasse 28c, 82152 krailling
t. 0049(0)89/89544997, 86306622, 0173/9856159; f. 0049(0)89/89544999;
mailto: schindler@arch-musik.de
www.arch-musik.de
Schinder/Holzbauer/Lillmeyer
Rot
Creative Sources CS 151 CD
Trio Hot / Jink / Nemu Records 008
Utilizing two strings and one woodwind, a recital formation favored by Schubert
and Debussy – and in jazz by Jimmy Giuffre – each of these ensembles
brings unique, ambitious strategies to the resulting blend. Both paths are
valid, with the divergence mostly related to preferences for acoustic over
electronic interface or vice versa, and of the improvisations clinging to remnants
of the song form verses a commitment to absolute abstraction.
Both CDs were recorded at approximately the same time and both trios are made
up of musicians of approximately the same age and German background – except
for Trio Hot’s Belgian bassist Peter Jacquemyn. Senior improviser of
the bands is Theo Jörgensmann, who plays G-Low or basset clarinet. He
has recently been involved with bands filled out by the Polish bass-and-drum
playing Oles´ brothers. Member at various times of drummer Andrea Centazzo’s
Mitteleuropa Orchestra and flugelhornist Franz Koglmann’s Pipetet, as
long as 30 years ago he organized an all-clarinet ensemble. Trio Hot is filled
out by Jacquemyn, who creates dance projects and improvises with the likes
of violinist Gunda Gottschalk and saxophonist Jeffrey Morgan when not working
as a sculptor; and Köln-based violinist/violist/vocalist Albrecht Maurer.
Adapting modern techniques to period instruments in other contexts, Maurer’s
improvisational work includes membership in bassist Kent Carter’s trio.
Rot’s participants are all Munich-based. Lecturer in guitar and New music
at the Richard Strauss Conservatory and at the University of Music and Performing
Arts, Harald Lillmeyer is also a member of the Go Guitars ensemble and has
played so-called classical music. So has cellist Margarita Holzbauer, as well
as having an involvement in sound installations, film and theatre music and
improvisation. Like Trio Hot, this formation’s senior member is also
a reedist: soprano saxophonist and bass clarinetist Udo Schindler. Involved
with self-invented techniques to enlarge the limits of reed sounds, he has
worked with Go Guitars plus improvisers such as trombonist Sebi Tramontana.
Schindler’s research extends to the integration of electronic media in
performance, and on the 14 untitled pieces here, the contrapuntal mating of
his reed plus Holzbauer’s squeaks or plucks – sometimes lyrical,
but more frequently powerful and abrasive – add the requisite shading
when the others’ unconnected timbres approach chiaroscuro and threaten
to remain understated to the point of inaudibility.
More notable are when sul tasto patterning as well as below-the-bridge spiccato
from the cellist bring out connective responses from the guitarist and reedist.
At one point, for example, that strategy causes Lillmeyer to put aside folksy
strumming for sudden bursts of feedback and Schindler to mutate his blowing
into a cyclone of intermittent peeps and continuously breathed trills.
Elsewhere, Lillmeyer’s outer-space-like oscillations meet up with quivering
bass clarinet split tones forced from the bell with intense overblowing, as
the cellist accompanies the others with harmonics. Honking reed altissimo trills
and basso sul tasto cello actions entwine contrapuntally until the crackling
pulses push the program into silence. Klangfarbenmelodie is often apparent
along with the polyphonic tone variants that encompass wobbly, staccato or
fortissimo tones. Juicy reverb and echoing whistles from the reedist; shuffle-bowed
ricocheting lines and hammering against wood and strings from the cellist,
and blustery drones and processed electronics pulses show up singly or in triple
counterpoint as well.
Similar multi-directional textures appear on Jinx, with Jörgensmann’s
unusually low-pitched straight clarinet trills, Jacquemyn’s string-bass
methodology plus Maurer’s versatility when he appends wordless countertenor
cries to his violin work on show.
That tandem correlation is used to good effect on “Angelity”, when
lyricism results due to string multiphonics and Maurer’s semi-scatting.
Coloratura clarinet tones and scrubbed bass stopping then mate the dissonant
to the dreamy. This cohesion contrasts with “Setting Up The Market” with
both string-players snapping and popping their catgut as Jörgensmann’s
top-of-range coloring somewhat resembles shrill nose-blowing. With timbres
splaying every which way, including extended fiddle staccato and reed-biting
trills, the title tune seems to include some of the pitch-sliding layering
of “Parisian Thoroughfare”, including call-and-response vamps from
the clarinetist and Maurer.
That Bud Powell-penned jazz classic isn’t formally acknowledged here,
however the deconstruction of another famous composition by a bop pianist – Thelonious
Monk’s “Round Midnight” – is. Beginning with legato
string sweeps from Maurer, double bass smacks and single-line clarinet trills
and peeps, it’s apparent that these high-pitched counter measures are
variation on the as-yet unstated theme. Cutting through the inchoate interludes,
Jörgensmann blows a neo-romantic variant joined by chromatic sweeps from
Maurer. When the andante walking bass lines appears so does the melody. Still
the familiar theme is exposed in a less-than-straightforward manner with Jacquemyn
slapping bongo-like on the bull fiddle’s wood, Maurer strumming and picking
and Jörgensmann spluttering mercurially.
Fine examples of mature Euro-Improv trio sessions, the usual evasive and derogative
meanings of Jink and Rot are not proper descriptions for these sessions.
-- Ken Waxman
Track Listing: Jink: 1. Straight Into 2. You Zuo 3. Zoo on the Road 4. Round
Midnight 5. Jink 6. Angelity 7. Setting Up The Market 8. Dax Dance 9. Gesture
Talk 10. Stop And Go And Run 11. Zbiggery 11. After All
Personnel: Jink: Theo Jörgensmann (G-Low clarinet); Albrecht Maurer (violin
and voice) and Peter Jacquemyn (bass and voice)
Track Listing: Rot: 1. 4:56 2. 4:33 3. 4:06 4. 2:13 5. 3:43 6. 4:26 7. 1:49
8. 5:50 9. 2:18 10. 4:22 11. 4:42 10. 1:17 13. 4:06 14. 7:45 15. 4:14
Personnel: Rot: Udo Schindler (soprano saxophone and bass clarinet); Harald
Lillmeyer (guitar and electronics) and Margarita Holzbauer (cello)
August 13, 2009
www.jazzword.com |