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NN/ERL/LOKAL/LOKAL1
- Mo 25.06.2007 - STADT ERLANGEN
Kirchner-Tochter
verspricht „Flucht nach Ägypten“
30 Jahre Burgberggarten, 25 Jahre Skulpturengarten:
Dichtes Jubiläumsprogramm und eine angekündigte Schenkung
…Vor 25 Jahren, am 12. Mai
1982, wurde nämlich anlässlich des 80.
Geburtstages des Erlanger Bildhauers Heinrich Kirchner
der gleichnamige Skulpturengarten mit 17 Großplastiken
aus Bronzeguss eröffnet.
…
Das Programm startete mit einem Konzert des Erlanger Musikers Klaus Treuheit
und seinem Ensemble. Die Musikperformance „Spielraum 12“ für
sechs Musiker (neben Treuheit der Wuppertaler Christoph Irmer an
der Violine, der Ravensburger Bassist Klaus Füger, der Kölner Saxofonist
Georg Wissel, der Münchner Klarinettist Udo Schindler und der Göttinger
Bassklarinettist Ove Volquartz) erwies sich wie erwartet dem zu feiernden Gegenstand
angemessen — mystische Klangfiguren, nichts zum Mitschnippen und Mitwippen.
pm
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Hermannstädter
Zeitung
Datum: Freitag, 20.Oktober.
2006@ 12:16:13 EEST
Thema: Kurznachrichten
Zum zweiten Mal fand das „Jazz
and More“-Festival im Thaliasaal statt
Mit einer bunten Palette an improvisierten Musikaufführungen verwöhnten
internationale Künstler letztes Wochenende das Hermannstädter Auditorium
beim „Jazz and More“-Festival im Thaliasaal. An drei Abenden verwandelte
sich die Bühne in eine farbenprächtigen Kulisse und die improvisierte
und elektronische Musik, New Jazz und viele andere Jazzarten, ließen
der Phantasie der Zuhörer freien Lauf. Im Atrium-Cafe mischten sich die
Künstler unter das Volk und boten ihnen Ausschnitte aus dem Festival an.
Klavier, Cello, Schlagzeug, Blasinstrumente und technische Ausrüstungen
schmückten die Bühne im Thaliasaal. Die Jazzmusiker aus Deutschland,
Polen, Neuseeland, der Schweiz und Rumänien boten ein Wechselbad der Musikarten
an. Zum Auftakt improvisierten der Schweizer Saxophonist Jürg Solothurnmann
und der Gitarrist Matthew Mitchel aus Neuseeland in einem halb leeren Saal.
Jürg Solothurnmanns Devise lautet: „Improvisierte Musik ist eine
Herausforderung.“ Der Schweizer war vor 18 Jahren erstmals in Hermannstadt
aufgetreten und sagt: „Nächstes Jahr komme ich wieder.“
Am zweiten Abend wippten die Köpfe des Publikums im Takt mit dem Ion Baciu
Trio, das auch Stücke für Liebhaber von „klassischem Jazz“ vortrug.
Das polnische Duo Robert Piotrovicz und Ana Zaradny bot mit elektronischer
Musik, begleitet von Saxophon, Gitarre und Laptop, herausfordernde Momente.
Mit improvisierten Stücken verblüfften am letzten Abend des Festivals
die deutschen Musiker Udo Schindler und Dr. Stephan Richter die Anwesenden.
Schindler kommentierte: „Das Publikum ist sehr aufmerksam und neugierig.“ Die
zwei deutschen Künstler waren zum ersten Mal in der zukünftigen Kulturhauptstadt
Europas und waren von Hermannstadt sehr begeistert. „Mir gefällt
Hermannstadt sehr“, sagte Dr. Stephan Richter. Und Udo Schindler fügte
hinzu, daß sie nächstes Jahr wieder kommen werden.
Der Hermannstädter Jazzpianist und Komponist Mircea Tiberian zusammen
mit dem JAM Ensemble, stellten zum Abschluß das eigenwillige Musikstück „The
Tree?“ (der Baum) vor. Mircea Nicula Streit, der Art Director des Jazzfestivals
war mit der diesjährigen Veranstaltung sehr zufrieden. Er werde aber weiter
kämpfen, damit die freie und kreative Jazzkultur auch in Hermannstadt
ein Zuhause findet. „Ich möchte musikalische Brücken schaffen
zwischen Rumänien, Europa und Amerika“, sagt der Hermannstädter.
Sorana BRADU
Hermannstädter Zeitung Nr. 2002/20. Oktober 2006
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Wörthsee
Klangbauten
Kleine Klassiker der
Improvisierten Musik
von Manfred Kaiser
Improvisierte Musik führt in ländlichen Gebieten
ein Schattendasein. In größeren Städten
wie München, Nürnberg oder Würzburg
hat sie ein Zuhause, dort wo Musikhochschulen oder
Konservatorien Menschen binden, deren Interesse für
Musik der Gegenwart grundsätzlich geweckt ist.
Schade, denn Improvisierte Musik wäre gerade für
den ländlichen Raum eine Bereicherung. Sie ist
keineswegs eine, wie der Name unterstellt, die ihre
Komposition dem Zufall überlässt, sondern
eine, die aus der gezielten Vorbereitung heraus im
originären Augenblick musikalische Bauwerke setzt
beziehungsweise inszeniert. Einbezogen werden vermeintlich
passive Elemente wie der Raum, in dem gespielt wird,
oder auch das Publikum, das als integrierter Klang-körper
aktiviert wird.
Udo Schindler arbeitet so – von Wörth see
aus. Er ist hauptberuflich Architekt, veröffentlichte
Lyrik, arbeitete am Theater. Als Musiker nahm er bereits
an verschiedenen Festivals und Konzerten Neuer Musik
im In- und Ausland teil. Er spielte unter anderem mit
Eddie Pre vost, Sebi Tramontana, Gerry Heming way oder
Jürg Solothurnmann. Musikalisch tätig ist
er in verschiedenen Formationen. Ihm ist wichtig,
dass Duos und Ensembles keine kurzzeitigen Projekte
sind, sondern längerfristig zusammen arbeiten,
einander inspirieren, gemein sam Traditionen entwickeln.
In größerer Besetzung spielt Udo Schindler
mit dem Improvisationsorchester „munich instant
II“, zu zweit mit Margarita Holz bauer, Harald
Lillmeyer, dem Duo 48Nord sowie mit Stephan Richter,
mit dem Schindler zuletzt den Tonträger „Kleine
Klassiker“ herausgab.
Udo Schindler und Stephan Richter, Jazzkritiker und
Lehrbeauftragter für Jazzgeschichte an der Hochschule
für Musik in Würzburg, finden sich seit etwa
zwei Jahren zu ökonomisch uninteressierten Begegnungen
zusammen, um zu musizieren. Über ein halbes Jahr
hinweg kommt es zu zweiwöchigen Treffen, in der
eine Reihe von Aufnahmen entstehen – ohne Studio,
ohne das Gekünstelte einer Aufnahmesituation,
komplett
improvisiert und aus dem Moment her aus geboren. Der
aktuelle Tonträger enthält acht Segmente
aus einer Reihe kleiner Klassiker, samt und sonders
Er-gebnisse eines außergewöhnlichen Zu-sammenspiels.
Dieser Musik ist der Einzug in klassische Aufführungsräume
des Münchner Umlandes zu wünschen. Was wäre
das für ein Klang – in historischen Kirchen,
Klöstern oder Schlössern! Was wäre
das für ein Aufbruch in die Gegenwart!
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Süddeutsche
Zeitung Nr. 25 Montag, 01. Februar 2010
Kultur / Service
Aus
dem Augenblick geboren
Ad-hoc-Pianist
Klaus Treuheit sind alle Mittel recht
Krailling
Wer die maximale musikalische Freiheit sucht,
ist bei Jazz noch lange nicht am Ziel. Umso
weniger, wenn vom
weitgehend auskomponierten und durcharrangierten
Jazz der jungen Generation die Rede ist.
Und je enger dort
die Grenzen der Improvisation gezogen werden,
desto mehr Beachtung findet, was heute mit
dem Begriff ad
hoc music bezeichnet wird:
Improvisation gänzlich aus dem Augenblick geboren,
ein Streben nach absoluter Musik ohne harmonische Vorgaben,
ohne feste Formen, ohne Grenzen in der Tonerzeugung.
Zu dieser Szene gehört der Architekt Udo Schindler,
der instrumental vielseitig zwischen Rock und Jazz
begann, um schließlich mit Saxophonen und Klarinetten über
die Neue Musik zur gänzlich improvisierten Musikform
zu gelangen. Als er von Steinebach nach Krailling umzog,
war die Einrichtung eines kleinen Kreativstudios möglich,
das er Salon für Klang und Kunst nannte.
Gast im Salon 4 war nun der renommierte
Ad-hoc-Pianist Klaus Treuheit, zunächst am präparierten
Flügel solistisch zu hören. Seine Wurzeln
liegen im Jazz, was er in seiner experimentellen Improvisation
auch nicht leugnet. Treuheits Schwerpunkt liegt aber
in der Erschließung des gesamten Tonraums und
der Erweiterung der Klangmöglichkeiten
des Instruments, die sich bisweilen recht
unkonventioneller Mittel
bedien:
Holzkamm, Tischtennisbälle, Kastanien,
Bleistifte, Steine.
Beim Präparieren des Flügels sind alle
Mittel recht, die das Klangspektrum mit möglichst
fesselnden Varianten zu erweitern helfen. Abgedeckte
Basssaiten
waren zunächst für perkussive
Klänge
vorbereitet, gongartig der Abschnitt darüber,
dann zirpelnde Töne mit leichten Tischtennisbällen
auf den Saiten, schließlich unpräpariert
die Höhen, die von Haus aus eine klirrende
Charakteristik besitzen. Zupfen und Handdämpfung
der Saiten sorgten für zusätzliche
Nuancen. Die Dramaturgie der Improvisation
begann so mit einer gewissen klanglichen
Ordnung, die sich sukzessive auflöste.
Zunehmend kombinierte Treuheit die Klangverfremdung
frei, stellte
Farben neu zusammen, der Verdichtung und
Intensivierung der Töne und Strukturen
folgend. Aus der Ordnung entstand damit
ein überaus emotionaler Kosmos
narrativer Prägung. Dahingehend schloss
dich die zweite Konzerthälfte mit
Schindler an Grenzen der Ton- und Geräuscherzeugung
auslotenden Sopransaxophon und Bassklarinette
direkt an. Ensemblebildung ist im
Fall von ad hoc music eine geradezu abenteuerliche
Angelegenheit. Per Hören und Reagieren
begeben sich die Zusammenspieler auf eine
Reise ins Ungewisse.
Im Duo Schindler und Treuheit bekam der
Dialog eine räumliche Ausdehnung,
in der sich überraschende,
ja geheimnisvolle Ereignisse zutrugen.
Reinhard
Palmer
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Süddeutsche
Zeitung Nr. 68 Kultur Dienstag 23.03.2010
Bach zwischen Jazz und Rock
Modern
interpretierte Barockmusik und Bilder beim Salon
für Klang und Kunst
Krailling
Versonnen mit viel Flageolett-Tönen, beginnt Gilles
Zimmermann die Gavotte aus einer der Violoncello-Suiten
von Johann Sebastian Bach. Den Bogen perkussiv eingesetzt,
antwortet Joseph Warner, übernimmt dann die Melodieführung,
zeigt ausgeprägte Virtuosität. Schon die
Besetzung ist so ungewöhnlich wie spannend: Viola
da Gamba (Zimmermann) und Kontrabass. Auch der Ort
des Geschehens unterscheidet sich vom herkömmlichen
Konzertsaal: Ein Privathaus in Krailling ist es, in
dem der Musiker und Architekt Udo Schindler seinen „Salon
für Klang und Kunst“ präsentiert. Neben
den beiden Musikern hat Schindler auch die Malerin
und Skulpteurin Eva Schöffel eingeladen,
um einige ihrer Werke zu zeigen.
Die ostinaten Bassfiguren zupft Joseph Warner
mit ungeheurer Intensität, macht richtig Druck, den Gilles Zimmermann
auf etwas subtilere Weise übernimmt. Warner arbeitet
viel mit Doppelgriffen, was der Basis auch ein eindeutig
definierbares harmonisches Gerüst gibt. Die sehr
rhythmisch angelegten und stark synkopierten Phrasen
rücken Bachs Musik in die Nähe zum modernen
Jazz. Die nächste Invention von Bach lebt von
der ausgefeilten Slapping-Technik des Bassisten und
der intellektuellen Melodik des Gambisten. Warner übernimmt
hier die Führung, zeigt sich als hervorragender
Virtuose. Dabei vermittelt er in seinem Spiel stets
diese unglaubliche, fast animalische Wucht, während
Zimmermann sich mit vornehmen, manchmal sogar zurückhaltenden
Linien begnügt.
Die Courante aus der ersten Violoncello-Suite
beginnt mit einer rasenden Bass-Einleitung.
Zimmermann legt nun den Bogen beiseite und
zupft die Viola
da Gamba – sie
gilt ja auch als eine Vorläuferin des beliebtesten
Zupfinstruments unserer Tage, der Gitarre nämlich.
Die folgende Gigue lebt von den Elementen der Rockmusik – Warner
entpuppt sich mittlerweile als witziger, feixender
Sympathieträger, der die familiäre Atmosphäre
des Konzerts sowohl für musikalische als
auch verbale Gaudi nutzt.
Nach einem veritablen Blues als Zugabe schließlich
outet sich Joseph Warner. Seine Lieblingsmusik, so
erzählt er, sei eigentlich Heavy Metal. Und doch
bewegt er sich hörbar gekonnt in barocken und
jazzigen Gefilden. Auch Zimmermanns Bluesspiel überzeugt:
Manchmal scheint Altmeister Stéphane Grappelli
Pate gestanden zu haben.
Als schönen Kontrast zur sinnlichen Musik präsentiert
Gastgeber Schindler die reduzierten Bilder
von Eva Schöffel. Ihre Linoldrucke „Out“ und „F“ zeigen
die verschachtelte Struktur japanischer Städte.
Aus denen hat sie eines der „Häuser“ genommen
und daraus die „Reihe-1“ geschaffen,
eine minimalistisch-konstruktivistische Folge
von Variationen
des gleichen Themas. Auch räumliches Sehen
und Arbeiten („Wiesenstück“)
spielt in ihrer Kunst eine große Rolle.
DR.
PETER BAIER
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Süddeutsche Zeitung Nr. 50 Dienstag, 02. März
2010
Kultur
Unkonventioneller Dialog mit der
Posaune
Sebastiano Tramontana erweitert sein Spiel mit
Stimm- und Körpereinsatz
Krailling
Der 5. Salon war es mittlerweile, zu dem der
Architekt und Musiker Udo Schindler in seinen
Kreativraum
lud. Dass immer noch nur wenige Besucher kommen
verwundert
kaum. Krailling ist nicht gerade der Ort, an
dem sich die Szene für gänzlich improvisierte Ad-hoc-Musik
versammelt. Das kann sich aber ändern, denn es
sind keine Randerscheinungen des Genres, die Schindler
hier präsentiert. Mit dem in München lebenden
Sizilianer Sebastiano (Sebi) Tramontana platzierte
sich ein international renommierter Posaunist vor die
Panoramascheibe mit nächtlichem Ausblick über
die Gemeinde.
Der vielseitige Künstler, der auch schauspielerisch
und bildnerisch agiert, ist nur schwer einzuordnen.
Seine Auftritte tragen stark performative Züge,
sie erzählen durchaus Geschichten, wenn auch in
abstrahierter Form. In meterlangen Leporellos, die
er vor sich ausbreitete, waren sie in Zeichnungen,
Skizzen und Niederschriften festgehalten. Tagebücher
für Erlebnisse, Gedanken und Empfindungen. Ihre
akustischen Entsprechungen entstanden assoziativ, mit
Humor und schier endlosem Ideenschatz in der Tonerzeugung.
Tramontana versteht es nicht nur, die spieltechnischen
Möglichkeiten des Instruments unter Einsatz Ton
verfremdender Dämpfer auszuschöpfen, sondern
sie mit Stimm- und Körpereinsatz unkonventionell
zu erweitern. Schnalzen, Pfeifen Stöhnen, Rufen,
Sprechen, Singen, Stampfen, Klopfen, Husten, Zischen,
Blasen, im Dialog mit der Posaune oder variationsreich
durchs Posaunenrohr geschickt – das Vokabular
Tramontanas ist schier unerschöpflich. Der erzählerische
Duktus führte zwangsläufig zu suggestiver
Charakteristik, die bisweilen an die Vertonung von
Zeichentrickfilmen denken ließ – etwa in
der Art von „La linea“ des italienischen
Cartoonisten Osvaldo Cavandoli: mit Witz und Neigung
zu parodistischer Übertreibung.
Im Duo mit Udo Schindler (Sopransaxophon und
Bassklarinette) stellt sich eine anders geartete
Aufgabe. Nicht
zum ersten Mal spielten Tramontana und Schinder
zusammen,
so dass die Phase der Annäherung sehr
schnell überwunden
war und das Interagieren von Entschiedenheit
geprägt
ausfiel. Die Strukturen verdichteten sich rasch
und konkrete Motive wie rhythmische Figurationen
kristallisierten
sich heraus. Schindler ließ sich gerne
auf den narrativen Duktus Tramontanas ein und
griff selbst
tief in die Trickkiste der Klangdifferenzierung,
schon mal mit Hilfsmitteln wie Alufolie über
dem Schallbecher des Saxophons, was feines,
metallisches Zirpen hervorrief.
Die inhaltliche Konkretisierung verlieh den
Dialogen eine dramaturgische Linie, die trotz
Ad-hoc-Improvisation
Entwicklung, Höhepunkt und Schluss klar
definierten. So entstanden packende, straffe
Erzählungen,
die das Publikum mitrissen.
Reinhard
Palmer
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Süddeutsche
Zeitung 05.03.2009
Ein
Architekt setzt seine Werke in Musik um
Udo
Schindler prägt das Bild avantgardistischer
Festivals / CDs sind heutzutage sein Sprachrohr
Planegg
Formale Verwandtschaften zwischen Architektur
und Musik lassen sich bis weit in die Antike
zurückverfolgen.
Größenbeziehungen griechischer Tempel entsprechen
den musikalischen Proportionen der Intervalle und gemessenen
Saitenlängen der harmonischen Zusammenklänge.
Mit der Äußerung, Architektur sei gefrorene
Musik, bekannte sich selbst der große Wegbereiter
der modernen Architektur Frank Lloyd Wright zu dieser
Tradition. Für den Planegger – bis vor wenigen
Wochen noch Wörthseer - Architekten Udo Schindler
ist es umgekehrt ein Leitmotiv, aus eigenen architektonischen
Werken Musik zu entwickeln.
1952 in Zirndorf geboren, erlebte Schindler die
68er-Revolte im Fränkischen, wo er an der Gitarre und an den
Drums rockte. Als Saxophon und Querflöte sein
musikalisches Spektrum erweiterten, wandte er sich
von 1975 an stärker dem Jazzrock zu. Später
ergänzte er sein Können noch, indem er auch
Klarinette lernte. Am Nürnberger Konservatorium
studierte Schindler schließlich Flöte und
an der TU München Architektur. Als er sich 1980
als Architekt selbstständig machte, kam ihm die
Musik jedoch nicht abhanden. Vielmehr befreite er sie
damit von den ökonomischen Zwängen, um sich
auf noch unbefestigte Pfade zeitgenössischer E-Musikformen
begeben zu können. Bis heute widmet er sich
ferner dem Erlernen weiterer Instrumente, so des
Kornetts
und Akkordeons.
In den 1990er Jahren wandte sich Schindler mit
seinem Arch-Ensemble der Neuen Musik zu, während bei
Schindler-Interferenz-3 improvisierte Musik im Mittelpunkt
stand. Es ging vor allem um die Erweiterung der Klangmöglichkeiten
der Instrumente durch unkonventionelle Spielweisen.
Spaltung der Klänge, Mikrotöne, Flageolett-Spiel, Überblastechniken
oder Einsatz von Zirkularatmung. Freejazz und Neue
Musik gingen bei Schindler nahtlos ineinander über.
In München war es der späte Aufbruch ins
neue musikalische Zeitalter, geprägt von Grenzüberschreitungen,
der Erprobung bereits ausgereifter elektronischer Möglichkeiten
oder eben der Öffnung der Gattungen. Schindler
prägte das Bild avantgardistischer Festivals mit,
wie musica viva oder Klangaktionen, bevor sie im Renommee
erstarrten. Er musizierte im In- und Ausland mit Eddie
Prevost, Sebi Tramontana, Gerry Hemingway, Jürg
Solothurn-mann, Zoro Babel oder 48nord. Nicht selten
mit performativen Elementen, die eine Verbindung zur
Literatur und vor allem zum Theater nahegelegten. Schindler
wurde vom Musiker zum Darsteller, führte bald
Regie und komponierte.
Heute konzentrieren sich die Schauplätze der
avantgardistischen Musik auf wenige Großstädte,
verstreut in der ganzen Welt. Dabei zu bleiben, ist
für ihn
zeitlich nur schwer möglich. Zum Sprachrohr
wurden seine CDs, über die er seine internationale
Präsenz
bewahren kann. Darauf zu finden sind bisweilen
ausgewählte
Ergebnisse entspannter Zusammenkünfte auf
dem Land, wohin er Musiker – die meist
ebenfalls im Münchner Umland leben - einlädt.
Im Duo und Trio entstehen Aufnahmen von nahezu
archaischer
Transparenz: Reife Früchte, wie „rot“ oder „Kleine
Klassiker“. (Kasten)
Reinhard
Palmer |
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Süddeutsche
Zeitung, 5 March 2009
An architect translates his works into music
Udo Schindler is shaping the face of avant-garde
festivals / Nowadays, CDs are his mouthpiece
Planegg
Formal affinities between architecture and music
can be traced as far back as the ancient world.
The relationships
of magnitude found in Greek temples correspond
to the musical proportions of the intervals and
measured
string
lengths of harmonic consonances. Even the great
pioneer of modern architecture himself, Frank
Lloyd Wright,
confessed to being a follower of this tradition
with his statement that architecture is frozen
music.
The Planegg-based architect, Udo Schindler -
who until
recently lived and worked in Wörthsee – has
the opposite leitmotif: to develop music from his
own works of architecture.
Born in Zirndorf in 1952, Udo Schindler experienced
the 1968 revolts as a rock guitarist and drummer
in Franconia [a region in the south of Germany].
From
1975 onwards, after extending his musical range
to include the saxophone and the flute, Schindler
focused
more on jazzrock. He developed his skills even
further by also learning the clarinet and finally
went on to
study the flute at the Conservatory in Nuremberg
and architecture at the Technical University
of Munich.
He never lost touch with music even after going
freelance as an architect in 1980. Rather, his
work allowed him
to liberate it from economic constraints, enabling
him to start his journey into the uncharted territory
of serious contemporary musical forms. To date,
he has also devoted himself to learning more
instruments, such as the cornet and the accordion.
In the 1990s, Schindler and his Arch-Ensemble
set their sights on new music, while Schindler-Interferenz-3
focused on improvised music. The objective was
to extend
the range of sounds the instruments offered by
playing them in unconventional ways. Splitting
of sounds,
microtones, harmonics, overblowing techniques
or
the use of circular
respiration. The boundaries of free jazz and
new music were seamless for Udo Schindler. In
Munich,
this was
the late departure to new musical shores characterised
by the crossing of boundaries, the use of tried
and tested electronic opportunities or, simply,
an opening
up of the genres. Schindler was instrumental
in shaping the face of avant-garde festivals
such
as musica
viva or Klangaktionen before their renown crippled
them.
He performed with Eddie Prevost, Sebi Tramontana,
Gerry Hemingway, Jürg Solothurn-mann, Zoro Babel and
48nord in Germany and abroad, frequently with performative
elements that established a link to literature and,
in particular, the theatre. "Schindler the Musician" became "Schindler
the Actor", then he worked as a director and
composed music.
Today, the venues for avant-garde music are concentrated
on a few cities spread across the globe. Time
restrictions make it extremely difficult for
him to participate
in them all. But he is able to make his presence
felt internationally thanks to his CDs. These
sometimes include selected results of relaxed
get-togethers
in
the country to which he invites musicians who,
too, usually come from in and around Munich.
Recordings with an almost archaic transparency
performed by
duos and trios: ripe fruits like "rot" or "Kleine
Klassiker“.
Reinhard
Palmer |
Süddeutsche
Zeitung Nr. 123

freiStil- Magazin für Musik und Umgebung #33 Oktober /
November 2010



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